Der sich selbst zur "New Work Agency" ernannten Ministry Group in Hamburg mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Und wer auf deren Website geht, wird sofort mit Holy Shit Communication begrüßt. Und natürlich steht im Erdgeschoss direkt im Empfangsbereich ein Kicker und an den Wänden hängen Mini-Regale für die Yoga-Matten. Hier im Erdgeschoss findet auch das Wochenmeeting mit allen im Gehäuse anwesenden Mitarbeitern statt - intern: "Das Wort zum Montag." In dieser großen Runde werden von den Einzelnen die Themen und Aufgaben in der bevorstehenden Woche vorgestellt und alle darüber ins Bild gesetzt, was Ministry bewegt.

So weit - so New Work!
Im praktischen Alltag haben aber auch die Webdesigner, Social-Media-Experten, Consultants, ... der verschiedenen Ministry-Firmen mit ganz banalen Organisations- und Kommunikationsfragen zu tun: wesentlicher Ausdruck sind die in allen Räumen und auf vielen Tischen präsenten und Srumban-ähnlichen Boards. Und diese sind selten leer - New Work ist also bestimmt nicht weniger Work. Im Gegenteil: beim Rundgang mit Marco ist in manchen Räumen der Druck die Board-Themen zu bewegen kräftig zu spüren. Marco ist einer der 4 Geschäftsführer und Gründer und wir lernen das Board der Leitungsebene kennen. Auch hier ist die Fülle der Themen beeindruckend und teilweise aus der Old Economy seltsam vertraut: kommuniziere Preislisten, Budget, ... vermittle Werte und das Miteinander, ... sorge für das Team-Frühstück, ... usw.
Anders als in der Old Economy ist hier aber eins: die Themen selbst sind öffentlich präsentiert und jedeR kann jederzeit nachfragen. So ist es auch für die Geschäftsführer möglich VOR einer Entscheidung ein Meinungs- und Stimmungsbild einzufangen, welches bessere Entscheidungen ermöglicht. Diese Öffentlichkeit und das Etablieren einer Entscheidungshierarchie wurde hart erlernt:
vor 4 Jahren war die damalige Vorgänger-Ministry noch ein klar hierarchisch geführtes Unternehmen: nur die die Geschäftsführer hatten Entscheidungsgewalt ... und trotzdem hatten sich Reichtum, Macht, Ruhm, großer Chefsessel, ... nicht eingestellt. Diese Träume hatte Marco zumindest als er 2006 zum ersten Mal selber unternehmerisch aktiv wurde. Im Laufe der Jahre hatten er und seine drei Mit-Geschäftsführer sich von diesen Träumen verabschiedet und dann in 2012 und 2013 viele Bücher zu Möglichkeiten einer anderen Unternehmensführung gelesen. In kleinem Kreis haben die vier entschieden und eines Morgens der "Belegschaft" verkündet: ab sofort kann jeder selbst entscheiden, die Chefs sind abgeschafft, organisiert euch selbst!
Das Chaos brach los und es dauerte knapp 2 Jahre bis sich neue Strukturen in langen heftigen und zähen Diskussionen etablierten, aber die Nachwirkungen dieser einsamen Entscheidung sind bis heute spürbar. Die generelle Transparenz für alle Themen, auch die aktuelle Situation des Unternehmens sind jetzt selbstverständlich, und auch die Wieder-Einführung einer Entscheidungshierarchie und das Leben mit einer Gehaltshierarchie möchte wohl keiner mehr missen. Transparenz und offene Kommunikation sind immer wieder zu erstreiten - und dabei ist die Rolle von Susanne innerhalb der Ministry Group ein ganz besonderes Highlight: "Agile Coach & Flow Minister".
Als solche moderiert und coacht sie einzelne Menschen und Gruppen - je nach Bedarf und eigenem Drang zu neuen Impulsen. Sie selbst sagt von Ihrem Job: "Ich brauche das zum Leben"
Meine Vermutung ist, dass viele Unternehmen die Rolle eines "Agile Coach & Flow Minister" zum Leben bräuchten.

Für mich war dies die letzte Station auf dem New Work Road Trip im Frühsommer 2017. Weitere Infos von Joan Hinterauer, dem Veranstalter, kommen aber sicher demnächst auf seiner Website!

https://www.ministrygroup.de/
https://www.newwork-roadtrip.com/