Am gestrigen Abend fand der 12. Talk unseres Netzwerks culture2business statt und wir hatten einen regen Austausch mit unseren TeilnehmerInnen zum Thema "Nice & Clean im Home Office". Mehrere Punkte waren dabei für mich bemerkenswert:

  • Es gibt einen großen Unterschied zwischen Putzen und Aufräumen. Ersteres ist der Kampf gegen die Natur - und jedeR entscheidet selbst wie stark er/sie hier investieren will. Letzteres ist eine Kultur- oder Kopf-Entscheidung: durch das Zuweisen eines Lagerplatzes, einer "Adresse" zu einem Ding verleihen wir den Dingen Gewicht und Ordnung in unserem Universum.
    Ein/e Messie mag also von außen unordentlich erscheinen, aber es kann sein, dass zwar der Kampf gegen den Schmutz verloren wurde, aber trotzdem alle Dinge am richtigen Ort liegen und der Ordnung der/des Messie folgen.
  • Meister Propper ist also der Mann mit dem Putzfimmel - aber nur weil alles glänzt, muss noch lange keine Ordnung und kein System dahinter sein.
  • Marie Kondo habe ich bisher innerlich mit Minimalismus und Reduktion gleichgesetzt. Und meine Kritk an Marie Kondo wurde Anfang des Jahres in einem Artikel von Kyle Chayka im Guardian sehr gut ausformuliert. Im Kern geht es darum, dass die Marie Kondo Methode für Ihre Anhänger zu einer Religion geworden ist und nur das strikte Befolgen der Regeln und das Nutzen der richtigen Schachteln (natürlich von Marie Kondo) einen wahren Minimalisten aus mir macht. Eine weitere wichtige Aussage in diesem Artikel bezieht sich auf die minimalistischen Artikel von Apple und andere reduzierte digitale Produkte: der Minimalismus in der Hand verschleiert die maximalen Systeme, Netzwerke, Stromverbräuche im Hintergrund. 
  • Mit Corinna Rose (siehe auch Ihre Website) hatten wir aber gestern das große Glück eine Expertin im c2b-Talk zu haben. Und das hat einiges bei mir gerade gerückt in Bezug auf Marie Kondo. In unserer dem Talk folgenden Diskussion hat Sie darauf verwiesen, das Marie Kondo ein Baustein ist, der um Aspekte wie Foodsharing, Lebensmittel retten, vegan/vegetarisch leben, regional einkaufen, Fair-Trade, 2nd Hand kaufen und viele weitere Aspekte des nachhaltigen guten Lebens ergänzt werden kann.

Insgesamt war auch dieser c2b-Talk wieder ein Beleg dafür wie wichtig die bewusste Wahrnehmung des Außen und meines eigenen Bewertens ist: nur weil wir heute in den vielen Websessions in minimialistische Wohnbereiche eindringen oder per WebCam  einen Blick auf einen oder mehrere Bücherstapel erhaschen dürfen, so lässt dies noch keinen sicheren Schluss auf Messie oder Sauberkeitsfimmel zu. Umgekehrt gilt aber auch in WebCam-Zeiten: so wie ich mich und mein HomeOffice präsentieren, so werde ich im professionellen Rahmen eingeschätzt und beauftragt: mein präsentierter Hintergrund sollte somit zu dem passen, was und wie ich professionell anbieten und leisten möchte und kann. Auf diese Weise kann man Vertrauen zu seinem Besucher aufbauen und wird mit Aufgaben betraut, die einem Freude bereiten und gerne gut erledigt werden.