Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Änderung des Verhaltens einer Person oder einer Organisation niemals von aussen alleine aufgrund logischer Erkenntnissen angestossen werden kann. Vielmehr braucht es dafür u.a. Vertrauen in den Überbringer der Erkenntnisse und seiner Handlungsempfehlungen und eine Rückversicherung im Netzwerk: wenn mehrere Personen die Erkenntnisse und den Willen zur Veränderung teilen, dann gibt dies den Handelnden persönliche Sicherheit.

Meine These lautet: für IT-Controller ist neben Balanced Score Card, Kosten- und Leistungsrechnung, der Entwicklung strategischer Ziele für die IT, aussagekräftigen KPIs, tiefgehender Business Analysis vor dem Start eines Projekts, ... die bewusste Wahrnehmung der persönlichen Ebene und Wirkung im Netzwerk entscheidend.

Controlling ist nicht Kontrolle

Für Controller kommt im deutschen Sprachgebrauch die Nähe zur Kontrolle hinzu - und dies führt zur Abwehr. Im Folgenden spreche ich nicht über diese eher buchhalterische Seite des Controlling sondern über die strategische. Auf dem Weg zu diesem strategischen IT-Controllings sollte mit allen Beteiligten, mit allen Stakeholdern ein gemeinsames Verständnis über den Nutzen des organisationsspezifischen IT-Controllings hergestellt werden. Mit viel Glück formulieren die potentiellen Kunden und Nutzer des IT-Controllings genau was sie für die Verfolgung der strategischen Ziele der IT und des Unternehmens benötigen. Genauso gut kann es sein, dass das IT-Controlling einen ersten Vorschlag macht.

Wie kann dieser Vorschlag und später auch die Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen aus dem IT-Controlling auf interessierte und mitdenkende Zuhörer treffen? Hier wird die präsentierende Person neben der sachlich-fachlichen Kompetenz auch persönlich wirksam sein. Um dies zu illustrieren verweise ich auf Monika Matschnig und ihr Video Wie wir unsere Wirkungskompetenz steigern. Kurz gefasst sagt Frau Matschnig: meine Körpersprache muss das Gesagte mindestens begleiten, besser zusätzlich in Szene setzen und gibt u.a. einfache Tips zur Handhaltung: nach oben geöffnete Hände zeigen Offenheit, die geschlossene Faust mit Zeigefinger kehrt den "Diktator" und Kontroletti heraus.

Neben der eigenen Wirkungskompetenz betreut der erfolgreiche IT-Controller sein Netzwerk, schmiedet Koalitionen und berücksichitgt die Bedürfnisse aller Beteiligten (neudeutsch: Stakeholder)? In komplexen Netzwerken braucht es dafür neben dem persönlichen Talent auch ein methodisches Vorgehen. Die TU Delft bietet dazu aktuell ein Seminar an: Multi-stakeholder Strategies: Analysis for Winning Coalitions. Ob nun mit Hilfe der TU Delft oder mit Hilfe von Business Analysis ist wahrscheinlich egal. Wichtig ist das Anerkennen und Berücksichitgen der beteiliggten Personen, insbesondere der einflussreichen Führungskräfte. Dann kann der Change gelingen.
 

Typisches Beispiel?

Ein Teilnehmer meines Seminars zum Thema IT-Controlling, war sich sehr bewusst, wo und wie das Controlling in seinem Hause "zurechtgeruckelt" wurde. Wie so oft waren es nicht die Zahlen selbst, die eine Analyse der IT- und Geschäftsprozesse unmöglich machten. Vielmehr war es der möglicherweise bewusste Wille zur Verschleierung von (menschlichen) Fehlern, zur Verlagerung von Verantwortung, zur Ablenkung von eigentlich zu korrigierenden Personalentscheidungen usw. Und dazu kam dann noch der fehlende Eifer zur korrekten Erfassung von Basiszahlen und der Bereinigung seit langem bekannter Stammdatenfehler.

Ich hoffe, dass ihm und anderen klugen Menschen mit HIlfe der beiden oben genannten Tips die Einleitung des sachlich begründeten Change gelingt!

Wolfram von Rotberg
11.3.18