Smart City verspricht die Lösung der Probleme einer modernen Stadt: wenn eine Stadt smart ist, dann ist sie auch gut. Und wenn es auch digital ist, dann ist es neutral und verlässlich. Und nicht von den Meinungen und Neigungen von Parteien oder Menschen abhängig. Also wirklich unparteiisch und unmenschlich gut?

Ganz so vehement verlief die gestrige Diskussion im III. Frank Schirrmacher Forum der Evangelischen Stadtakademie denn doch nicht. Aber auf der zweiten von insgesamt fünf Veranstaltungen unter dem Titel "Smarte City, Smarte Bürger?" stellte Leon Kaiser vom Netzwerk netzpolitik.org seine sechs "Verkehrsregeln" zur Diskussion. Die sechs Regeln sind relativ einfach nachvollziehbar und fokussieren auf die menschlichen Aspekte der Inklusion und der digitalen Souveränität. Im Laufe des Vortrags wurden diese um die siebte Anforderung der Teilhabe an demokratischen Prozessen ergänzt. Dies alles ist gut auf netzpolitik.org nachzulesen.

Die anschliessende Diskussion hat aber zwei Aspekte herausgearbeitet, die ich bemerkenswert fand:

1. Smart City ist in der öffentlichen Diskussion wesentlich eine technisch smarte Stadt. D.h. eine smarte Stadt schafft es mit smarter Technik die aktuell dumme Technik in den Griff zu bekommen (z.B. helfen Sensoren für Feinstaub-Belastung bei der Verkehrssteuerung). Vor 25 Jahren wurde heftig über Technikfolgenabschätzung diskutiert. Heute wird kritiklos mehr Technik als Lösung für technische Probleme gesehen. Ist das richtig?

2. Der Veranstalter, OKR Dr. Grubauer, hat in seinem Schlusswort die These eines Strömungsabrisses aufgestellt. Dieses Bild hat sich bei mir verankert als das Voranschreiten der digital natives, die die smart city gestalten und dabei alte gewachsene Stadt-Strukturen für digitale Zwecke aufgeben. Wird es also in Zukunft eine Trennung der Stadt in digital wertschöpfende Bereiche und analog lebenswerte Funklöcher geben?

Die Diskussion wird auf den drei weiteren Abenden fortgeführt und vermutlich um spannende Aspekte erweitert:

10 Gebote für die digitale Stadt (22.11.17)

Bürgerbeteiligung und Transparenz (28.11.17)

Strukturwandel der Öffentlichkeit (5.12.17)

Sicher eine gute Möglichkeit als Bürger ein bißchen smarter zu werden.